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22.06.2018

Schiller muss auch Musiker gewesen sein...

Sonst wäre wohl ein so überzeugender Abend der Musik, den zahlreiche Gäste nun beim Schulkonzert des Schiller-Gymnasiums erleben durften, nicht zu erklären. In der voll besetzten Sporthalle der Schule war es das „Wohltemperierte Klavier“, eine Sammlung von Präludien und Fugen von Johann Sebastian Bach, was die Gäste willkommen hieß. Es war eigentlich einst – der Name deutet dieses recht unverblümt an - für Tasteninstrumente gedacht worden. Beim Schulkonzert war es nun jedoch die Streicher-AG, die die zauberhafte Melodie des Stückes auf ihren Instrumenten erklingen ließ und den Abend klassisch eröffnete. Auf die Gäste wartete ein dreistündiges Programm, das die Vielschichtigkeit der musikalischen Angebote am Schiller-Gymnasium und die Freude am gemeinsamen Musizieren widerspiegelte.  Denn „With a little help from my friends“ funktioniert dieses – das zeigte insbesondere das Finale – besonders gut.
 
Einen Hauch von Freiheitsgefühl trug der rhythmische „Libertango“ ins Publikum, dem zweiten Stück der siebenköpfigen Streicher-AG, die von Reinhard Spiess geleitet wird und welche die Gäste mit ihren zwei intensiven und sehr unterschiedlichen Stücken direkt in eine wunderbar gespannte und gleichzeitig entspannte Stimmung versetzte, denn das Programmheft des Abends versprach noch vieles: Es zeigten die Bläserklassen der Jahrgänge fünf und sechs mit dem gleichnamigen Stück von Christoph Schönherr, dass sie die Instrumente schon ziemlich „Aus dem Ef Ef“ beherrschen, das „Banana Boat“ mit dem „Posaunen Rag“ zum Swingen bringen  und beim Publikum sogar Begeisterung für „La Cucaracha“ (Spanisch: Die Küchenschabe) erzeugen können.
Der Chor I setzt sich ebenfalls aus Schülerinnen und Schülern dieser Jahrgänge zusammen und zeigte sich mit seinem Auftritt international: Auf Tim Bendzkos „Am seidenen Faden“ folgte das japanische Kinderlied „Hotaru koi“. Mit dem skandinavischen „Vem kan segla“ fragte der Chor danach, wer es vermag, ohne Wind zu segeln, zu gehen, ohne eine Träne zu vergießen und thematisierte mit diesem Stück den Abschied. Leider mussten sie diesen an diesem Abend auch von ihrer Chorleiterin Franziska Földházi nehmen, die zum Schuljahresende das Schiller-Gymnasium verlassen wird.
Auf diejenigen, die auch nach dem Jahrgang sechs weiterhin ihr Instrument spielen und dieses lernen möchten, warten viele andere Möglichkeiten der Beteiligung, die sich im weiteren Verlauf des Programms zeigten, durch das sehr humorvoll und informativ die Abiturienten Trine Wyrwoll, Selin Cikin, Alexander Manentzos und Linus Buhmann leiteten:
So konnte die Bläserklasse des Jahrgangs sechs schon problemlos gemeinsam mit der  Little Big Band ihr Können mit „Learn to fly“ zeigen. Letztere forderte mit „Gimme some lovin‘“ die Zuneigung des Publikums, das es ihr auch bei „Can’t turn you loose“ bedingungslos zeigte.
Voll verwurzelt in ihrer Materie brachte die Schulband I, geleitet von David Springer, das bekannte „No roots“ von Alice Merton auf die Bühne und feuerte ein kraftvolles „Feuerwerk“ (bekannt durch Wincent Weiss) ab.
Unter der Leitung von Nicole König sang die „SinG! Society“ das gefühlvolle „Let her go“ von Passenger, brachte mit „Wait for it“ von Lin-Manuel Miranda einen Broadway-Titel nach Hameln und sah alles in „Blau“ beim gleichnamigen Stück. Letzteres Sido-Stück brachte Sommerferien-Feeling in die Sporthalle.
Nach ihrem grandiosen Konzert gemeinsam mit der Big Band des NDR begeisterte die Schiller-Bigband unter der Leitung von Björn Barner nun mit „Fee-fi-fo-fum“, ihrem ersten Stück bei diesem Konzert, das Publikum, das sich im Folgenden ganz auf die „Crystal Silence“  einließ. Das Stück von Armando Anthony („Chick“) Corea kündigte Leiter Björn Barner als für die Band anspruchsvolle Ballade an, die diese aber wunderbar meisterte.
Es folgte ein Sound, wie er auch aus einer der Jazz-Kneipen des Big Apple hätte  stammen können: „New York, New York“ - diese Stadt würdigte die Bigband in ihrem letzten Stück,  bei dem sich Rainer Schams dachte: „I want to be a part of it“, und dieses  direkt als Sänger des beliebten Ohrwurms stark umsetzte. 
Zwiespalt zeigte der Eltern-Lehrer-Chor, der von Nicole König geleitet wird. Einerseits kamen die Sänger mit „Lollipop“ ganz fröhlich-friedlich daher, andererseits fuhren sie bei „Eye of the Tiger“ ihre Vocal-Krallen aus, sodass das Publikum energievoll auf die nächste Gruppe eingestimmt war. Die Percussion & Latin-Jazz AG, die von Oliver Eilers geleitet wird,  ließ mit einem sorgfältig auf die Gruppe angepassten Arrangement von Johann Sebastian Bachs „Air“ frischen Wind durch die Sporthalle wehen, zeigte trotz dreifachem „Quizás“ sehr viel Sicherheit und brachte beim „Mambo No. 5“ so manchen Fuß zum Wippen, manche Hand zum Klatschen.
Nach lateinamerikanischem Flair wurde es rockig: Mit Totos „Hold the line“ blieb die Schulband II zunächst sanft, ließ dann bei „Sunday, bloody Sunday“ wohlbekannte U2-Klänge ertönen und switchte für den letzten Song aus den Achtzigern ins Jahr 2016: „There's nothing holding me back“ von Shawn Mendes war das letzte Lied, bevor es auf der Bühne richtig voll wurde.

Doch zunächst stand noch eine Besonderheit an: Franziska Földházi, die seit vielen Jahren ein fester Teil der Musik-Fachgruppe ist, wird zum Schuljahresende das Schiller-Gymnasium verlassen und an eine Schule in Erfurt wechseln. Zum gegenseitigen Dank stand sie noch einmal mit all ihren Kollegen der Fachgruppe auf der Bühne, die gemeinsam sehr eindrucksvoll mit „Blackbird“ das erste Beatles-Stück des Abschlusses dieses Abends sangen.
Das Zweite folgte zugleich: Im anschließenden großen Finale standen noch einmal alle Gruppierungen gemeinsam auf der Bühne und folgten den Zeichen von Linus Buhmann. Der Abiturient hat „With a little help from my friends“ für diesen Auftritt arrangiert, setzte die Musiker und Sänger gekonnt in Szene (besonders sorgte der Sologesang von Thilo Schramm für Gänsehaut) und schenkte dem Schiller damit nach seiner Zeit an unserer Schule einen besonderen Moment.  Vielen Dank für diesen wunderbaren Abend der Musik!